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Münster / Borken, 24. Januar 2019  

Zwischen Schrecken und neuen Chancen

Caritas stellt sich der Digitalisierung: "Nicht das Wasser abgraben lassen" / Kinder wachsen digital auf / Auftakt zur Jahreskampagne

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Kinder zu medienkompetenten Persönlichkeiten zu erziehen,
ist das Ziel von Claudia Lewejohann und ihrem Team
im Caritaskindergarten Der Kleine Prinz in Ochtrup.
(Foto: Lisa Uekötter / Caritas Münster)

Ochtrup / Diözese Münster (cpm). Die Entwicklung der Raupen zu Faltern dokumentieren die Kinder in der Kita Der Kleine Prinz in Ochtrup mit dem Tablet. An Demenz erkrankte Senioren freuen sich im Haus Waldfrieden in Ibbenbüren, wenn sie in Herbstlaub auf dem Tisch wischen können, das digital darauf projiziert wird und ihren Bewegungen folgt. Die soziale Arbeit wird digital und muss es in vielerlei Hinsicht noch mehr werden. "Sozial braucht digital" hat sich die Caritas bundesweit in diesem Jahr auf die Fahnen geschrieben. Für die einen sei Digitalisierung ein Schreckensszenario, "andere sehen darin neue Chancen", erklärte Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann beim Auftakt der Jahreskampagne für die Diözese Münster in der Ochtruper Tageseinrichtung für Kinder der Caritas Steinfurt. Er plädierte für eine pragmatische Betrachtung mit Augenmaß.

Dass die Entwicklung auf jeden Fall rasant verläuft, ohne dass aber eine Vorhersage möglich ist, wohin sie in zehn Jahren geführt haben wird, zeigte sich an den Beispielen, die Rüdiger Dreier aufzeigte. Da habe die Caritas Nachholbedarf und müsse aufpassen, dass "sie sich nicht das Wasser abgraben lässt". Dreier besetzt in Münster seit Dezember vergangenen Jahres bundesweit die erste Stabsstelle Digitalisierung eines örtlichen Caritasverbandes, ist privat einer der 150 Papa-Blogger im Land und Väterexperte auf www.elternleben.de .

An der fiktiven jungen Mutter Sandra, die neu in die Stadt gezogen ist, zeigte Dreier auf, was sie online an Informationen sucht, und dass sie sie bei Verlagen, in Blogs und beim Online-Versand findet - aber bislang nicht bei der Caritas oder einem anderen Wohlfahrtsverband. Dreier empfiehlt, Online-Angebote aus Nutzersicht anzubieten: "Mit Fachsprache reden wir aneinander vorbei." Zudem müsse Beratung auch online jederzeit erreichbar sein und müssten Verbände und Einrichtungen die sozialen Medien nutzen.

Dass schon die Kinder heute "total digital" aufwachsen, ist dem Team des Caritaskindergartens Der Kleine Prinz bewusst. "Sie wissen, was YouTube ist und skypen mit den Großeltern", erklärte Kita-Leiterin Claudia Lewejohann. Das gehöre zur Lebenswirklichkeit und daran müsse man sich orientieren. Es gehe darum, die Kinder zu "medienkompetenten Persönlichkeiten zu entwickeln". Da stelle sich nicht die Frage ab wann, sondern wie man den Umgang gestalte. Mit diesem Ansatz hatte sich die Kita am Digitalisierungswettbewerb des Diözesancaritasverbandes Münster beworben und mit dem Projekt "Digitale Medien in der Kita" den zweiten Preis gewonnen.

Wohin die Digitalisierung sich im Bereich Fortbildung entwickeln wird, zeigte Theodor Damm am Beispiel des Projekts "First Step - Demokratie bewusst leben". Mit einer Ergänzung der Präsenzphasen durch Online-Module hätten die Teilnehmer in eigener Geschwindigkeit lernen und selbst entscheiden können, ob und wie viel an zusätzlicher Information sie wünschten.

In den vergangenen Jahren seien schon wichtige Schritte in der Digitalisierung gegangen worden, wie in diesem Beispiel mit dem "Blended Learning", stellte Heinz-Josef Kessmann fest. Verbände und Träger der Einrichtungen hätten in erheblichem Umfang in Hard- und Software vor allem im Verwaltungsbereich investiert, aber auch die Digitalisierung zur Fortentwicklung ihrer sozialen Arbeit genutzt. Trotzdem gebe es noch viele Unsicherheiten, "wie diese Entwicklung weitergehen wird," sagte Kessmann.

Durch den Digitalisierungswettbewerb und eine breit angelegte Befragung der Caritasträger im Bistum habe der Diözesancaritasverband den Bedarf an Unterstützung ermittelt. Gewünscht würden vor allem ein Ausbau der Fortbildung in diesem Bereich sowie Beratung bei digitalen Projekten. Dabei müssten sowohl die Chancen wie auch die Risiken in den Blick genommen werden.

Auf politischer Ebene beteilige sich die Caritas in NRW an der Digitalisierungsstrategie der Landesregierung und fordere eine finanzielle Förderung für die Freie Wohlfahrtspflege ein. Nicht nur kleine und mittlere Unternehmen sowie die Kommunen verfügten nicht über die nötigen Ressourcen. Das gelte für die Wohlfahrtsverbände umso mehr, weil sie wegen ihrer Gemeinnützigkeit keinen finanziellen Spielraum für die notwendigen Investitionen aufbauen könnten.

009-2019 (hgw) 24. Januar 2019