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Münster / Borken, 5. Oktober 2018  

"Jeder Mensch ist wie ein Eisberg"

Caritas-Ehrenamtliche suchen nach Strategien gegen Populismus / Geduld und Mut sind gefragt / Fascher: Eigene Haltung hinterfragen

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Ali Can und First-Step Projektleiter Theodor Damm diskutierten mit den Vertreterinnen
der Caritas-Ehrenamtlichen über Populismus. (Foto: Harald Westbeld/Caritas Münster)

Diözese Münster (cpm). Äußerlichkeiten sind sichtbar und prägen in der Begegnung unmittelbar den Eindruck. Aber: "Jeder Mensch ist ein Eisberg", bemüht Ali Can, Gründer der Hotline für besorgte Bürger, das Bild von der nur sichtbaren Spitze. Im Diözesanrat der Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD) im Bistum Münster warb er dafür, "ins kalte Wasser zu springen und unter die Oberfläche zu schauen". Dort finde man Werte, Erziehung oder auch religiöse Bezüge des Menschen. Damit könne die Basis gelegt werden für den interkulturellen Dialog und die Begegnung.

Die Vertreterinnen und Vertreter von rund 9.000 Ehrenamtlichen in den Pfarreien des Bistums setzten sich in intensiver Diskussion im Franz Hitze Haus in Münster mit dem Thema "Haltung zeigen und Stellung beziehen gegen Populismus und Diskriminierung" auseinander. Mit rechtspopulistischen Sprüchen und Handlungen umzugehen, erweist sich auch in der ehrenamtlichen Arbeit als herausfordernd.

Wege, um wieder eine demokratische Streitkultur zu entwickeln, zeigten Martin Ziegenhagen und Julia Wolrab vom Berliner Verein "Gegen Vergessen - Für Demokratie" auf. Dazu müsse es gelingen, andere Meinungen auszuhalten. Zivilcourage zu zeigen, erfordere schon Mut. Aber man solle keine Angst haben, wenn man ihn gerade in der Situation nicht habe und auch keine spontane Antwort einfalle.

In der Diskussion identifizierten die Diözesanratsmitglieder unter anderem Reichsbürger, rechtsradikale Demos, negative Bewertungen von Migrantinnen und Migranten oder die bewusste Streuung falscher Inhalte als demokratiegefährdend. Förderlich seien dagegen Meinungsvielfalt, Teilhabe, Akzeptanz, Gemeinwohl sowie politisch engagiert zu sein.

Wie schwierig trotz des eigenen Standpunkts eine Diskussion mit einem Rechtspopulisten sein kann, zeigte sich eindrucksvoll im Rollenspiel. Um die Situation nicht eskalieren zu lassen, empfahl Martin Ziegenhagen, sich Verbündete zu suchen - zum Beispiel, wenn jemand im Bus Migranten beleidige und bedränge. Was immer gehe, sei auch ein Stopp-Signal in der Ich-Form zu setzen. Da brauche es keine Zahlen und Fakten. Ohnehin könne "Irrationalität nicht durch Rationalität aufgehoben werden".

Auch Ali Can sah es als müßig an, es mit Belehren zu versuchen. Das führe häufig nur zu Gegenreaktionen. Erfolgreicher könne sein, Gemeinsamkeiten zu erkunden. Gelingen könne das über offene Fragen und die Bekundung von Interesse für die andere Meinung. Es gelte, keine Fronten gegeneinander aufzubauen. Diese Offenheit habe allerdings Grenzen. Werde die rote Linie überschritten, müsse klare Haltung gezeigt werden. Can liess keinen Zweifel, dass es Geduld brauche, "eine geballte Ladung Hass aufzudröseln".

Der Fachtag wurde angeboten im Rahmen des Projekts "First Step - Demokratie bewusst leben" des Diözesancaritasverbandes Münster. Projektleiter Theodor Damm forderte die Teilnehmenden dazu auf, bewusst "wahrzunehmen, wo Menschen verunsichert sind". Die Problematik des Rechtspopulismus werde immer stärker auf Flüchtlinge fokussiert. Aber auch die Angst vor der Globalisierung spiele zum Beispiel eine Rolle.

Selbstverständlichkeiten würden heute in Frage gestellt, erklärte Damm. Auch das eigene Engagement müsse manchmal verteidigt werden. Da könne es helfen, sich bewusst zu werden, dass das eigene Handeln eine gesellschaftspolitische Dimension habe. Ulrike Fascher, Vorsitzende der CKD, forderte dazu auf, "sich immer mal wieder zu hinterfragen" und die eigene Haltung zu überprüfen.

064-2018 (hgw) 5. Oktober 2018