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Münster / Borken, 23. November 2017  

Caritas: Mehr für Demokratie streiten

Projekt "First Step - Demokratie bewusst leben" für Engagement jenseits der Wahl / Gemeinsamen Nenner mit "besorgten Bürgern" finden

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Ali Can empfahl den Caritas-Mitarbeitern zum Start des Projekts First Step
wertschätzend zuzuhören und Fragen zu stellen. (Foto: Harald Westbeld / Caritas Münster) 

Münster (cpm). Um Demokratie mit Leben zu füllen, kann sich das Engagement nicht auf das Kreuz auf dem Wahlzettel erschöpfen. Es braucht nach Ansicht der Caritas im Bistum Münster mehr, um das Gespür für demokratische Werte und Verfahren wach zu halten. Mit dem Projekt "First Step - Demokratie bewusst leben" will sie die rund 55.000 Mitarbeiter in der Diözese dazu motivieren und sie sprechfähig gegenüber undemokratischen und nationalistischen Misstönen machen. Das ist nach Auffassung von Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann geboten, "wenn wir weiterhin die Gesellschaft sozialpolitisch mitgestalten wollen". Einen Ansatz schilderte Ali Can, Gründer der "Hotline für besorgte Bürger", der das Gespräch mit Pegida-Demonstranten gesucht hat, beim Projektauftakt im Diözesancaritasverband Münster.

Das Recht auf eine freie Meinungsäußerung, der Respekt vor der Meinung des Anderen und eine offene Diskussion über die Zukunft sind für Kessmann "Voraussetzungen für unsere Arbeit als Caritas". Das Projekt First Step sei umso notwendiger, weil die Auseinandersetzung über Flüchtlingsfragen "immer extremer, polarisierender und populistischer " geworden sei. Der Einsatz für Menschen auf der Flucht sei für die Caritas aber ein "urschristlicher und nicht verhandelbarer Auftrag".

Die Gefährdung der Demokratie und das rasante Wachstum der AFD allein auf das Flüchtlingsthema zurückzuführen, sei allerdings zu kurz gegriffen. Die AFD habe sich dieses Themas bemächtigt, um es für eigene Kampagnen zu nutzen, mit denen sie die Gesellschaft zu spalten drohe. Hier gelte es, wieder mehr für die Demokratie zu streiten.

Um dem Phänomen der Fremdenfeindlichkeit vor allem in Ostdeutschland nachzugehen, hat sich der 24-jährige Student Ali Can unter Pegida-Demonstranten gemischt. Auch wenn er zunächst selbst nicht von Vorurteilen gegenüber den Teilnehmern frei gewesen sei, habe er erfahren, dass es darum gehe, wertschätzend zuzuhören. Besser sei es, Fragen zu stellen als mit fertigen Antworten zu dozieren und mit persönlichen Erfahrungen ins Gespräch zu kommen. Dann ließen sich auch gemeinsame Nenner finden wie die Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Ansicht, dass Demokratie aus sich heraus stabil und unerschütterlich ist, sei trügerisch, erklärte Projektleiter Theodor Damm. Jeder sei gefordert, sich dafür einzusetzen, sie lebendig zu erhalten. Mit Projekten vor Ort, Beratungsangeboten und Informationen für die Caritas-Mitarbeiter soll dieses Engagement im Projekt geweckt und gestärkt werden. Gefördert wird es von der Bundeszentrale für politische Bildung.

082-2017 (hgw) 23. Oktober 2017