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Caritas-Vorsitzender zieht Bilanz
Ein spannendes Jahr des Lernens
Als ein "spannendes Jahr des Lernens" bezeichnet Sebastian Büscher die ersten zwölf Monate seiner Amtszeit.
Von Marita Rinke
von Caritas Pflege & Gesundheit informiert
sich Sebastian Büscher (links) über die Arbeit
in der Pflege. Seine Gesprächspartner:
Sandra Mümken, stellvertretende Pflegedienstleitung,
und Pfleger Frank Meitza.
Dem Klischee des Taubenzüchters, der aus dem Ruhrpott stammt und an Sommertagen im Feinripp auf die Heimkehr seiner Renner der Lüfte wartet, entspricht Sebastian Büscher so ganz und gar nicht. Doch: "Es sind faszinierende Tiere", sagt der Rechtsanwalt, der seit seinem sechsten Lebensjahr Tauben züchtet und in dieser Saison wieder zwei der schönsten Männchen in seinem Schlag hat. Allerdings sehen die rund 65 Tauben Büscher seit einem Jahr immer seltener, denn ein Teil seiner Freizeit investiert der 43-Jährige seither in die Leitung des Caritasverbandes Borken.
Im Dezember 2010 trat der gebürtige Rhedenser die Nachfolge von Manfred Frericks an. Drei Monate hatte er sich zuvor Bedenkzeit ausgebeten. Ausschlaggebend für sein Ja: "Caritas ist nicht irgendein Leistungserbringer, sondern eine klare Willensbekundung der Kirche. Caritas will für die Menschen da sein." Dass dies in Zeiten leerer öffentlicher Kassen nicht immer einfach ist, verhehlt der Wirtschaftsjurist nicht. Auch der Caritasverband Borken befinde sich derzeit in der Konsolidierungsphase. "Wir versuchen, unsere Angebote zu sichern", hat sich Büscher mit seinen Vorstandskollegen Johannes Arntz und Norbert Pooth vorgenommen. Das gelte für den stetig wachsenden Bereich der Pflege und Gesundheit ebenso wie für niedrigschwellige Angebote für Menschen in persönlichen Notlagen wie Überschuldung oder Lebenskrisen.
Dass Menschen in schwierigen sozialen Lagen in der Öffentlichkeit immer häufiger das Signal erhalten, es gebe keinen Platz für sie in der Gesellschaft, stimmt Büscher traurig. "Unsere Aufgabe ist es, ihnen zu zeigen: Wir nehmen euch in eurer Würde ernst und versuchen, so weit wie möglich für euch dazu sein und mit euch die Situation auszuhalten", sagt der Vater von drei Töchtern (13 und 15).
Lobbyarbeit für die Menschen, die oftmals keine Lobby (mehr) haben. Büscher ist stolz über das Engagement der immerhin 650 Mitarbeiter, die der Caritasverband Borken im Dekanat beschäftigt und die "so zu einem gesellschaftlichen Konsens von hohem Wert beitragen". Er weiß, dass sie oftmals eine "mordsmäßige Aufgabe" erfüllen und diese nur leisten können, "wenn sie hinter ihrer Arbeit stehen und wissen, dass sie davon auch leben können". Tarifliche Bezahlung ist für ihn daher selbstverständlich. Auch hier leiste die Caritas Lobbyarbeit, nämlich in den Verhandlungen mit Kostenträgern, die natürlich ihre leeren Kassen vor Augen hätten.
Dass bei diesen Verhandlungen die Finanzen im Mittelpunkt stehen, sei selbstverständlich. Im Jahr der Pflege 2011 hätte sich Büscher jedoch gewünscht, dass Pflege häufiger auf der politischen Agenda gestanden hätte, ohne dass es dabei immer ums Geld ging. Im gesellschaftlichen Bewusstsein müsse deutlich werden, welch wichtige Aufgabe die Fachkräfte in der Pflege und Betreuung von alten und kranken Menschen übernähmen. Dies jungen Menschen zu vermitteln und sie zu motivieren, sich als Fachkräfte ausbilden zu lassen, ist Büscher ein Anliegen. Und er weiß: "Es wird nicht einfach!"
Trotz allem habe er seinen lang überlegten Entschluss, den Vorsitz des Caritasverbandes zu übernehmen, während der vergangenen zwölf Monate nicht bereut. "Es war für mich ein spannendes Jahr des Lernens."
Quelle: Borkener Zeitung
